Spanisch-deutscher Schüleraustausch am MCG

Als Jugendlicher aus dem spanischen Granada ist man von Hause aus eher sonnenverwöhnt, da man fast ganztägig von einem strahlenden Sonnenschein begleitet wird, vor allem im Wonnemonat Mai. Beim Gegenbesuch der Schülerinnen und Schüler der IES Padre Suárez aus Granada am Marie-Curie-Gymnasium in Neuss erinnerte das Wetter in Nordrhein-Westfalen eher an wechselhaftes Aprilwetter als an einen angenehmen Frühsommer, wie man sich ihn vielleicht gewünscht hätte. Trotzdem erwiesen sich die spanischen und deutschen Jugendlichen aus der Jahrgangsstufe EF als wetterfest und heiter, trotz zahlreicher Wolken und Regen.

Am Sonntag, dem 5. Mai, kamen 14 Jugendliche aus Granada mit ihrem Englischlehrer, Herrn Juan Manuel Mora Montes, und ihrem Informatiklehrer, Herrn Natalio García Feito, am Flughafen Düsseldorf an und tauchten in ein rot-gelbes Fahnenmeer ein, das die Schüler der EF für sie vorbereitet hatten. Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten groß, da man sich auf dem ersten Treffen in Granada schon besser kennen und schätzen gelernt hatte, und so konnte man sich am Sonntagnachmittag über manche gemeinsame Erinnerung austauschen und sich vor allem die Zeit nehmen, um die deutschen Gastfamilien und ihr Zuhause kennen zu lernen.

Am Montag wurde nach einem gemeinsamen Frühstück im MCG-Bistro die Schule erkundet und eine Dokumentation über NRW geschaut, damit die Gäste eine erste Idee davon bekommen konnten, was sie in den nächsten Tagen erwarten würde. Anschließend wurde bei einer Stadtrallye Neuss erkundet und die Jugendlichen kamen mit den Neussern ins Gespräch, als sie den Europatag-Pin des MCG an Passanten verteilten und mit ihnen über den Austausch, den Europatag, das Projekt Europaschule am MCG und die anstehenden Europawahlen ins Gespräch kamen. Das Highlight des Tages war der Empfang bei Herrn Bürgermeister Breuer im Ratssaal der Stadt Neuss. Dabei stellte der Bürgermeister die Bedeutung des kulturellen Austauschs zwischen Nationen in den Fokus und bestärkte die Schüler darin, sich für europäische Belange einzusetzen. Frau Quiring-Perl, als Vorsitzende des Komitees für Partnerschaften und internationale Beziehungen der Stadt Neuss, berichtete aus ihrem Erfahrungsfundus, den sie dank der Teilnahme und der Begleitung zahlreicher Projekte im Bereich Internationaler Austausch sammeln konnte. Unsere Schulleiterin Frau Tressel freute sich über die Realisierung eines weiteren Schüleraustauschs, der das Austauschangebot des MCG noch attraktiver macht und berichtete gleichzeitig von der europäischen Ausrichtung der Schule, die sich als Europaschule etablieren möchte.

Am Dienstag sah das Reiseprogramm für die Schüler einen Besuch der Landeshauptstadt vor. Gemütlich wurde der Rhein per U-Bahn überquert, sodass die räumliche Nähe zwischen Neuss und Düsseldorf spürbar wurde, und unsere Gäste waren sichtlich überrascht von der Größe des Rheins, der auf Grund seiner Fließgeschwindigkeit und seines Umfangs viele spanische Flüsse in den Schatten stellt. Nach einem ausgiebigen Stadtspaziergang durch Düsseldorf, auf dem unter anderem die St.-Lambertus-Basilika, die Andreaskirche, Heines Geburtshaus, der Burgplatz und „De Retematäng“ (Ratinger Straße) besichtigt wurden, ging es für die Schüler zur Shoppingtour auf die KÖ. Am Nachmittag wurden der Medienhafen und der Landtag von NRW besucht. Im Landtag erfuhren die Schülerinnen und Schüler nicht nur, wie das Wahlsystem in NRW funktioniert, sondern sie konnten auch einen sehr direkten Einblick in den politischen Alltag eines Landtagsabgeordneten gewinnen, da Herr Dr. Geerlings sich die Zeit nahm, die Jugendlichen zu begrüßen und ihre Fragen zu seiner Person und vor allem zu seiner Arbeit im Landtag zu beantworten. Während sich die Neusser Schüler vor allem für die Landespolitik in NRW interessierten, orientierten sich die spanischen Jugendlichen an aktuellen Themen aus ihrer Heimat, deren Stellenwert sie in der deutschen Politik erfragten.

Bis dahin präsentierte sich das Wetter noch als klassisch deutsch und war am ehesten zwischen heiter bis wolkig angesiedelt, doch bei unserem Besuch am Mittwoch in der Domstadt brachen die Regenwolken auf und setzten ganz Köln unter Wasser. Bei der Stadtführung durch Köln führte Frau Krätz die spanisch-deutsche Schülergruppe zu den wichtigsten Stationen Kölns, anhand derer man die Kölsche Lebensart am besten nachvollziehen konnte: 4711, Heinzelmännchen, Tünnes und Schäl, Mundart und Karneval. Bleibenden Eindruck hatte bei allen Teilnehmern vor allem die Gesangseinlage auf Kölsch unserer Stadtführerin hinterlassen, sodass auch unsere spanischen Gäste für einen kurzen Augenblick das Regenwetter vergessen konnten. Trotzdem waren alle sichtlich erleichtert, als sie den Dom von innen erkunden durften und somit dem Starkregen entkamen. Zum Abschluss durfte die Gruppe den Dom aus einer besonderen Sicht genießen, da es dann zur Domdachführung ging, die sowohl innen als auch außen stattfand und für viel Staunen und Begeisterung sorgte.

Am Donnerstag schien der Wettergott der Reisegruppe gegenüber milder gestimmt zu sein und bei strahlendem Sonnenschein ging es ins westfälische Münster. Diesmal waren nur die spanischen Gäste auf Erkundungstour und durften den Prinzipalmarkt, die St.-Lamberti-Kirche, den Kiepenkerl, das Schloss, den Aasee und zahlreiche Fahrradfahrer in Münster kennen lernen.

Das museale Highlight ereignete sich am Nachmittag, als die Gruppe den Friedenssaal im Rathaus des westfälischen Friedens besuchte und dabei auf einen alten Bekannten stieß, den spanischen König Philipp II, der allen aus dem Geschichtsunterricht bekannt war und der der Gruppe auf einem Ölgemälde im Friedenssaal entgegenblickte.

Am Freitag wollten die Teilnehmer des Schüleraustauschs eigentlich den Alpenpark in Neuss besuchen und sich beim Almgolfen, Klettern, Fun-Fußball und Rodeln ausprobieren, doch da das Wetter so gar nicht spanisch war und man nicht draußen verweilen wollte, wurde kurzerhand umdisponiert. Herr Jesse und Herr Heinrich unterstützen die Gruppe freundlicherweise organisatorisch, sodass in der Turnhalle ein Floorball-Turnier gespielt werden konnte, dass die Mannschaft „Stockholm“ für sich entscheiden konnte. Danach wurden bei einem Picknick im Bistro die gemeinsamen Erlebnisse besprochen und der Familientag am Samstag geplant.

Auch wenn das Wetter manchmal ungemütlich war, so hat sich doch gezeigt, dass gute Laune nicht witterungsabhängig ist, denn bei allen Ausflügen und allen gemeinsamen Erlebnissen stand die Freude darüber im Fokus, dass man mit neuen Freunden etwas erleben durfte und man trotz kultureller Unterschiede viele Gemeinsamkeiten teilt.

In diesem Sinne sollte eine Fortsetzung des Austauschs im neuen Jahr dringend erfolgen, schließlich wollen wir unseren spanischen Freunden unsere Heimat auch mal bei Sonnenschein zeigen, vielleicht dann bei Tapas am Rheinufer.

[HOG & DWO]